Das Dorf Solborg

Solborg liegt in den ländlichen Bergen zwischen Jevnaker und Hønefoss, ungefähr eine Autostunde von Oslo entfernt. Hier am nördlichen Ende der Region Nordmarka bietet die wilde Natur jede Menge Möglichkeiten zum Skifahren und für andere Aktivitäten. Das Dorf ist von schönster Natur umgeben und dennoch gut mit dem Bus zu erreichen.

Solborg ist eine multikulturelle sozialtherapeutische Gemeinschaft für erwachsende Menschen mit speziellen Bedürfnissen. Es ist ein Teil des internationalen Netzwerkes der Camphill-Dörfer. Die ersten Dörfer wurden in den 1950er Jahren gegründet; heute gibt es verstreut über den ganzen Globus über 100 Camphill-Dörfer. Inspiriert von der Anthroposophie haben alle ein gemeinsames Ziel: eine neue Form von Gemeinschaftsleben zu schaffen. Zusammen mit Menschen mit speziellen Bedürfnissen entsteht eine Gemeinschaft, deren alternatives Lebenskonzept auf Nachhaltigkeit baut – in allen Bereichen des Lebens.

Die von Rudolf Steiner (1861-1925) begründete Anthroposophie beschäftigt sich mit den geistig-spirituellen Seiten des Menschen und seiner Umwelt. Die Anthroposophie hat in vielen Bereichen des Lebens Impulse gegeben, so in der Pädagogik (Waldorfschule), in der Landwirtschaft (biologisch-dynamische Landwirtschaft), Medizin, Architektur, Kunst, Wirtschaft und Sozialleben. Auf der ganzen Welt arbeiten tausende Menschen nach anthroposophischen Prinzipien.

Unter http://www.camphill.de/ und www.camphill.net findest du mehr über Camphill in Deutschland und die Camphill-Dörfer weltweit. Natürlich sind alle Dörfer verschieden und doch in mancher Hinsicht gleich.

In Solborg wohnen etwa 50 Menschen. Das Dorf hat fünf Familienhäuser in denen wir wie in großen Familien zusammenleben, ob wir nun spezielle Bedürfnisse an Hilfe haben oder nicht. Unsere Mitarbeiter kommen aus der ganzen Welt und dadurch, dass wir alle zusammen leben und arbeiten, ist das kulturelle und soziale Leben multinational.

Solborg ist bestrebt, das Verhältnis zur Umgebung so nachhaltig wie möglich zu gestalten. Das Dorf betreibt biologisch-dynamische Landwirtschaft sowohl auf dem Hof, in der Gärtnerei wie auch im Kräutergarten. Einen großer Teil unserer Nahrung bauen wir selbst an. Zusätzlich haben wir mehrere Werkstätten um sinnvolle Arbeitsplätze für alle zu schaffen: es gibt eine Weberei, eine Bäckerei, eine Kräuterwerkstatt, Waldwerkstatt, Essenveredelungswerkstatt und eine Gruppe, die sich um die Pflege der Außenräume unseres Dorfes kümmert. Auch in den Familienhäusern gibt es wichtige Arbeitsplätze: ein warmes Mittagessen zubereiten aus unseren biologischen Produkten.

Wir haben Gemeinschaftsautos und versuchen so oft wie möglich die öffentlichen Transportmittel zu nutzen.

Wir haben auch ein reiches Kulturleben in unserem Dorf. Hierzu zählen unsere Dorfversammlungen, Theateraufführungen, Konzerte, Eurhytmie, Vorträge, Musik und Tanz.

Angrenzend an Solborg liegt ein Waldorfkindergarten mit drei Gruppen (Almgrenda Steinerbarnehage) und eine Waldorfschule (Ringerike Steinerskole) die bis zur 10. Klasse geht.

Unsere Praktikanten und Langzeitmitarbeiter kommen aus vielen verschiedenen Nationen, bringen ein großes Interesse für unsere Lebensweise mit und möchten mit ihren Fähigkeiten in einer sozialen Arbeit beitragen. Die Praktikanten bleiben normalerweise für ein Jahr in Solborg, auch wenn der eine und der andere für kürzere Zeit kommt oder länger bleibt. Damit im Dorf Kontinuität und Stabilität sein kann, bevorzugen wir es, wenn Mitarbeiter für 12 Monate bleiben und das Dorfleben durch alle Jahreszeiten hindurch mit-leben. Die Langzeitmitarbeiter sind die "tragenden" Mitarbeiter des Dorfes und haben eine langfrisitge Perspektive im Verhältnis zum Dorfleben.

Solltest du abwägen als Praktikant oder Langzeitmitarbeiter in Solborg anzusuchen, ermuntern wir dich, zuerst zu Besuch zu kommen. Wir haben einige Gästezimmer und freuen uns ein paar Tage dein Gastgeber zu sein, um miteinander  bekannt werden zu können.

Kurz gesagt hat die Arbeit im Dorf zwei Aspekte:

    • Die Arbeit in einer Werkstatt, zusammen mit Menschen mit speziellen Bedürfnissen.

    • Das Leben und die Arbeit in einem Familienhaus und die Teilnahme am Gemeinschaftsleben des Dorfes, sowohl bei kulturellen als auch bei sozialen Aktivitäten.

Die Werkstätten

Unsere Mitarbeiter bekommen jeweils einen Vormittags- und einen Nachtmittagsarbeitsplatz zugeteilt. Das könnte der Hof sein, die Gärtnerei, das Kochen in einem der Häuser, der Kräutergarten, die Bäckerei, die Waldgruppe, die Weberei oder die Essenveredelungswerkstatt.

Die Arbeitszeit in den Werkstätten ist von Montag bis Freitag 9-12 und 14-17 Uhr (Sommerhalbjahr). Die Werkstattarbeit ändert sich den Jahreszeiten entsprechend. Deshalb wechseln die meisten Praktikanten ihren Arbeitsplatz im Laufe des Jahres. Wir versuchen natürlich die Wünsche der Praktikanten zu berücksichtigen, doch stehen Solborgs Bedürfnisse an erser Stelle.

Typische Arbeitsaufgaben in den Werkstätten sind:
Hof: melken, Tiere füttern und versorgen, Traktor fahren und vieles mehr.
Weberei: weben lernen, nähen, filzen und stricken lernen und anderen bei ihrer Arbeit helfen.
Bäckerei: Brot, Brötchen und Pizza für das ganze Dorf backen und manches mehr.
Gärtnerei: Sähen, pflanzen, jäten und ernten.
Wald: Brennholz für das ganze Dorf machen und den Wald pflegen.
Kräuterwerkstatt: pflanzen, ernten, trocknen und verarbeiten von Kräutern.
Kochen: mit den biologischen Produkten aus Hof und Gärtnerei für 12 – 15 Menschen Mittagessen kochen.

Alle diese Aufgaben führen wir gemeinsam mit Menschen mit besonderen Bedürfnissen aus. Neue Mitarbeiter erhalten eine besondere Einführung zu dieser Arbeit. Hauptprinzip unseres Arbeitslebens ist, dass wir helfen wo immer Hilfe gebraucht wird. Daher erwarten wir von unseren Mitabeitern, dass sie den Aufgaben die zu machen sind, aufgeschlossen und flexibel gegenüberstehen.

Wir freuen uns immer über neue Ideen für Aktivitäten und Angebote. Und wenn Mitarbeiter besondere Fähigkeiten mitbringen, so kann es durchaus möglich sein, eine eigene Werkstatt mit den Menschen mit besonderen Bedürfnissen zu gestalten. Wir hatten bereits Mitarbeiter die beispielsweise Kunstkurse organisiert oder musikalische und sportliche Aktivitäten angeboten haben. Neue Initiativen, die sich mit dem Leben in unserer Gemeinschaft verbinden lassen, sind willkommen. Wir sind auch aufgeschlossen, Mitarbeitern mit eigenen, besonderen Freizeitaktivitäten zu helfen, wie z. B. zusätzlichem Norwegischunterricht.

Unsere Mitarbeiter bekommen alle notwendigen Informationen für die entsprechenden Werkstätten und Häuser. In Werkstätten, wo potenziell gefährliche Arbeiten verrichten werden, wie im Wald oder am Hof, erhalten die Mitarbeiter Schutzausrüstung und Schutzkleidung. Bei allen Aufgaben die du übertragen bekommst, gibt es eine Einführung.

Teilnehmen am Alltag unserer Gemeinschaft

Von den Mitarbeitern erwarten wir, dass sie am täglichen Leben des Hauses in dem sie wohnen teilnehmen. Das beinhaltet gewöhnliche Aufgaben im Haushalt wie abwaschen, Essen vorbereiten, aufräumen und putzen, den Dorfbewohnern beim Reinhalten ihrer Räume helfen und, wenn nötig, Hilfe beim Baden und bei der persönlichen Hygiene. Alle diese Arbeiten teilen sich die Mitarbeiter jedes Hauses untereinander auf. Jeden Samstag Vormittag ist Hausputz, bei dem alle mitmachen. Für die Mitarbeiter gilt das jedes zweite Wochenende.
Kein Haus wird gleich wie das andere geführt. Doch gemeinsam ist, dass alle Aufgaben bei der wöchentlichen Hausversammlung unter denen die im Haus wohnen verteilt werden.
Alle Mitarbeiter nehmen an den Freizeitaktivitäten wie Theaterproben, Vorbereitung von Dorffesten, dem Einführungsseminar und den Norwegischkursen teil. Generell erwarten wir, dass alle Mitarbeiter offen sind, unsere Lebensweise kennenzulernen.

Ein typischer Tag eines Mitarbeiters:

  • Um 8.45 trifft sich das ganze Dorf für eine kurze Morgenversammlung, um den Tag zu besprechen und gemeinsam zu beginnen.

  • Im Anschluss gehen alle zu ihrer jeweiligen Vormittagswerkstatt und arbeiten dort von 9.00 bis 12.00.

  • Um 12.30 essen wir ein warmes Mittagessen in unseren Familienhäusern und haben bis 14.00 Mittagspause.

  • Von14.00 bis 17.00 arbeiten alle in ihrer jeweiligen Nachmittagswerkstatt.

  • Um 17.30 gibt es in den Häusern Abendbrot.

Wir bieten unseren Mitarbeitern zahlreiche Möglichkeiten etwas Neues zu erlernen: Alle werden für die Aufgaben in ihren Werkstätten vorbereitet und mindestens einmal pro Woche findet der obligatorischer Norwegischunterricht statt. Die meisten Dorfbewohner sprechen nur Norwegisch, daher lernt man durchs tägliche Üben sehr schnell die wichtigsten Vokabeln.

Zudem bieten wir ein Einführungsseminar an, welches normalerweise einmal wöchentlich von Anfang Herbst bis Ostern geht, um den Mitarbeitern einen Einblick in die Anthroposophie und die Camphill-Bewegung zu geben. Wir versuchen auch jedes Jahr bis zu drei Wochenendseminare anzubieten, an dem alle neuen Camphill-Mitarbeiter aus ganz Norwegen teilnehmen können. Hier gibt es die Möglichkeit sich mit anderen Camphill-Mitarbeitern auszutauschen und andere Camphill-Dörfer in Norwegen kennenzulernen. Und Spaß ist auch dabei!

Damit wir sicher sein können, dass es allen Mitarbeitern gut bei uns geht, bekommt jeder einen Mentor zugeteilt. Bei den regelmäßigen Treffen können Probleme oder Unklarheiten besprochen werden.
Wir sind eine Lebensgemeinschaft, deren Dynamik und Struktur für neue Mitglieder zunächst ungewohnt sein kann. Dein Mentor kann dir Helfen dich besser zu orientieren und dir jene Menschen nennen, mit denen du sprechen kannst um Antwort auf deine Fragen zu bekommen.

Dadurch, dass man mit vielen Freiwilligen aus der ganzen Welt zusammen lebt und arbeitet, bieten sich viele Möglichkeiten des Kulturaustausches. Solborg hat in sich selbst hat starke kulturelle Traditionen. Einige davon sind typisch Norwegisch, andere kommen aus der internationalen Camphill-Bewegung.

Der wichtigste Teil unseres gemeinsamen Arbeitens und Lebens in Solborg ist es, Menschen kennenzulernen und den Wert jeden Menschen zu erkennen, unabhängig davon ob er spezielle Bedürfnisse und Behinderung hat oder nicht. Solborgs Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass alle diese Menschen die Fürsorge bekommen die sie brauchen, und dass alle ein sinnerfülltes Arbeitsleben haben.

An einem Ort wie diesem Mitarbeiter zu sein, mit so vielen verschiedenen Menschen die zusammen leben und arbeiten, kann in uns sowohl eine große Toleranz entwicklen, wie auch die Freude darüber, dass wir Menschen so unterschiedlich sein können, wie wir eben sind.

Nach solch einem freiwilligen sozialen Jahr in Solborg, kannst du als Mitarbeiter sicher sein, dass du dich entwickelt hast, sowohl in deinen sozialen Fähigkeiten wie auch in deiner Persönlichkeit. Zudem nimmst du eine Reihe praktischer Fertigkeiten mit dir mit, wie zum Beispiel Norwegisch sprechen, eine Kuh melken oder Brot für fünfzig Menschen backen. Aber auch andere Fähigkeiten, die vielleicht nicht so leicht erkennbar sind, wie Empathie und Toleranz gegenüber andre Menschen. Aus persönlicher Sicht ist es möglicherweise am wichtigsten, dardurch das entwicklen neuer Fertigkeiten mehr Selbstvertrauen gewonnen zu haben. Nachdem du erst mal alleine einen Hof betrieben, eine Gruppe Dorfbewohner in den Urlaub begleitet oder 6 monate lang für 15 Menschen gekocht hast – und das alles in einer neuen Sprache – dann ist nichts mehr unmöglich!

Jeder Mitarbeiter gehört zu einer Hausgemeinschaft und damit einer großen Familie. Hier wohnen in der Regel 3 - 5 Dorfbewohner mit besonderen Bedürfnissen, die Hausverantwortlichen (oftmals mit ihren Kindern) und 2-3 Praktikanten/Mitarbeiter (meist junge Menschen aus der ganzen Welt). In dieser großen Familie isst man alle Mahlzeiten gemeinsam und teilt die häuslichen Pflichten untereinander auf. Von den Mitarbeitern wird erwartet, sich auch um die praktisch/körperlichen Belange der einzelnen Dorfbewohner zu kümmern.

Das monatliche Taschengeld beträgt 2000 NOK. Wenn du mit umweltfreundlichen Verkehrsmitteln reist, kanst du pro Monat außerdem 500 NOK für den öffentlichen Nahverkehr rückerstattet bekommen und jedes halbe Jahr 800 NOK für Reisen in Norwegen.

Falls du einen Führerschein hast, kannst du nach einiger Zeit auch die dorfeigenen Gemeinschaftsautos fahren. Natürlich müssen zunächst alle Versicherungbelange geklärt sein.

Die Mitarbeiter arbeiten 5 Tage in der Woche in den Werkstätten, können sich aber wöchentlich einen freien Vor- oder Nachmittag nehmen, in Absprache mit den Werkstätten.

Jedes zweite Wochenende hast du besondere Verantwortung in deinem Haus. Das bedeutet, den Dorfbewohnern bei ihren täglichen Routinen und ihrer täglichen Pflege zu helfen, den Hausputz zu führen, Mahlzeiten vorzubereiten und an sozialen und kulturellen Aktivitäten teilzunehmen. Die Aufgaben werden zwischen den Mitarbeitern und Hausverantwortlichen so aufgeteilt, dass du nicht das ganze Wochenende „arbeiten“ musst. Es wird erwartet, dass du an den von Woche zu Woche variierenden kulturellen und sozialen Veranstaltungen des Dorfes teilnimmst.

In Solborg ist es nicht immer möglich zwischen Freizeit und Arbeitszeit zu unterscheiden. Daher ist es wichtig, dass du dir bewusst bist, dass das Leben hier von Zeit zu Zeit sehr intensiv sein kann, da wir nicht nur zusammen arbeiten sondern auch zusammen wohnen. Das Leben in einer Gemeinschaft wie dieser kann sehr erfüllend und lehrreich sein, aber zeitweise auch sehr fordernd. Wir können dich unterstützen und dir helfen, wenn es zu Problemen kommt, doch ist es wichtig für dich zu wissen, dass du hier auf Herausforderungen treffen wirst.

Im ersten Jahr als Praktikant / Mitarbeiter kannst du nach 3 Monaten bis zu 4 Wochen Ferien nehmen. Hierbei muss die Ferienplanung immer mit deinem Haus und deinen Werkstätten abgesprochen werden.

Wenn du dir vorstellen kannst, zu uns zu kommen, bitten wir dich ein Bewerbungsformular auszufüllen. Dieses kannst online ausfüllen. Du brauchst keine Vorerfahrung im Umgang mit Menschen mit Behinderung mitzubringen. Wir versuchen nicht zu fragen: „Was kannst du bereits jetzt?“, sondern: „Was bist du willig zu lernen?“.

Camphill ist auf christliche Werte gebaut. Wir sind offen für Menschen mit anderem Glauben, anderer Spiritualität oder anderem Kulturhintergrund, dennoch ist es wichtig für uns, dass alle Mitarbeiter unseren Jahresrhytmus und unsere Traditionen respektieren.

Da Solborg Menschen aus der ganzen Welt willkommen heißt, ohne Unterschiede zu machen bezüglich Rasse, Religion, Geschlecht oder sexueller Orientierung, erwarten wir von euch Praktikanten und Mitarbeitern ebenfalls Respekt gegenüber unserem christlichen und anthroposophischen Hintergrund.